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Gluehkopf

Geldschöpfung


Die Frage, wie eigentlich unser Geld entsteht, bewegt seit jeher die Gemüter. Die Antworten darauf führen jedoch mit ebensolcher Regelmäßigkeit zu allerlei Verwirrung. Obwohl selbst betroffen, haben es deshalb viele Zeitgenossen einfach aufgegeben, sich mit dem Thema intensiver zu befassen. Gleichzeitig verbreiten andere entweder aus Unwissenheit oder aus ideologischen Gründen in diesem Zusammenhang immer wieder gefährliche, zu folgenschweren Finanz- und Wirtschaftskrisen führende
Mythen

Verständlich wird die Geldschöpfung mit Hilfe der Saldenmechanik

Die Beziehungen in unserem gegenwärtigen Geldwesen zerfallen nach Stützel in zwei verschiedene Ebenen: Diejenige der „Geldvermögensumschichtungen“ und diejenige der „Zahlungsmittelumschichtungen“. Zunächst gilt es daher ganz wesentlich zwischen den beiden realen Erscheinungsformen des Geldes zu unterscheiden, nämlich
Geldvermögen versus Zahlungsmittelbestände
Wenn also irgendwo von einer Veränderung des Geldstroms die Rede ist, muss zwingend nach der Spezifizierung gefragt werden, ob es sich dabei um Geldvermögensströme (Veränderung der Geldvermögen) oder um Zahlungsströme (Veränderung der Zahlungsmittelbestände) handelt.
Bei Transaktionen, die das Geldvermögen verändern,
handelt es sich entweder um Einnahmen oder um Ausgaben.

Sie sind terminologisch scharf von Zahlungs-Ein-/-Ausgängen zu trennen. Nur bei Barkauf (Barverkauf) fallen zufällig Ausgaben und Zahlungsausgang (Einnahmen und Zahlungseingang) zusammen.

Geldschöpfung bezeichnet ganz allgemein die Schaffung von Geld. Geschäftsbanken schaffen Giralgeld durch Kreditvergabe. Dabei erzeugen sie Zahlungsmittel, denn an den Geldvermögen und Schulden in der Ökonomie ändert sich durch die Kreditvergabe selbst noch überhaupt nichts. Der Kreditnehmer hat nämlich jetzt genau in der Höhe seiner aufgenommenen Schulden ein Guthaben auf dem Konto. Sobald der Schuldner allerdings mit dem Geld auf seinem Bankkonto einen Kauf tätigt, haben wir saldenmechanisch einen Überschuss seiner Ausgaben über seine Einnahmen. Der Rest der Ökonomie hat damit einen Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben und durch den Kaufakt ist zusätzliches Geldvermögen entstanden.

Wolfgang Stützel, 1958:

„Allein durch eine inländische Zahlungsmittelvermehrung im Zuge einer Ausdehnung der Bankdepositen („Giralgeldschöpfung“) wird die Summe der Geldvermögen einer Volkswirtschaft ebenso wenig  verändert wie etwa durch Kapitalimport oder Kapitalexport; denn die Größe der Geldvermögen hängt sowohl einzelwirtschaftlich als auch volkswirtschaftlich ausschließlich von Leistungstransaktionen, aber nicht von reinen Finanztransaktionen ab.“

Solvente Schuldner braucht das Land

Bei der Geldschöpfung (Zahlungsmittelerzeugung) wird also von der Bank immer ein Kreditverhältnis dokumentiert, zusätzlich von ihr mit Eigenkapital besichert und abgewickelt. Die Bank braucht dafür einen Kreditnehmer mit Sicherheiten (realwirtschaftliche Leistungen, die pfandbesichert werden können). Es wird also kein "Geldvermögen aus dem Nichts" erzeugt, weil der realwirtschaftlichen Leistungsschuld des Kreditnehmers der zusätzlich bankbesicherte realwirtschaftliche Leistungsanspruch des Geldvermögensbesitzers gegenüber steht.

Bei der Giralgeldschöpfung entsteht folglich auch direkt kein Geldvermögen für die Bank. Natürlich kann sie theoretisch auch ihre eigenen Sicherheiten, zum Beispiel ein Gebäude oder eingekaufte Edelmetalle bei einer anderen Bank als Sicherheiten für einen Kredit belasten lassen. Oder sie reicht etwa gekaufte Wertpapiere bei der Zentralbank als Sicherheit für Zentralbankgeld ein. In keinem Fall aber kann die Bank mit der Giralgeldschöpfung unmittelbar (selbstverständlich hat die Bank eine Zinsmarge als Ertrag) einen Geldvermögenszuwachs für sich selbst erzeugen.

Und so sieht dann der gesamte Vorgang der Giralgeldschöpfung im Zusammenhang aus:



Was aber ist nun der viel beschrieene Skandal an der Bankengeldschöpfung, wenn es sich dabei weder um jene mysteriöse, unkontrollierbare „Geldschöpfung aus dem Nichts“, noch um die (damit verbundene) gezielte Selbstbereicherung der Geschäftsbanken handelt?

Der eigentliche Skandal

findet weitgehend unthematisiert auf einer ganz anderen Ebene statt. Nämlich dort, wo die freiwilligen solventen Schuldner fehlen, um die ungebremste, ja sogar staatlich (durch gesetzliche Spardiktate) provozierte Nachfrage nach Geldvermögen zu befriedigen. Da weichen die Banken bei der Zahlungsmittelerzeugung – quasi „zwangsweise“ – eben auf weniger werthaltige Schulden aus, um sie umlauffähig zu machen – Stichwort Spekulation, bei der die Besicherungsfunktion der Zahlungsmittel und Geldvermögen durch die Banken in ihr Gegenteil umgekehrt wird.

Anstatt also weiter mit allen Mitteln zu versuchen, die Nachfrage nach Geldvermögen voll und ganz zu befriedigen, sollte sie besser auf das zur Verfügung stehende Angebot an freiwilligen solventen Schuldnern mit ausreichend Sachwert-Pfändern begrenzt werden. Überhaupt bietet sich natürlich die Intensivierung des Sachwert-Sparens als eine der möglichen Lösungen an. Wenn aber wie jetzt in Deutschland alle drei Sektoren der Volkswirtschaft, die privaten Haushalte, die Unternehmen und der Staat, Geldvermögen sparen wollen, können und müssen, wenn also die Neuverschuldungspläne unter die Summe aus Kredittilgungen und Geldsparplänen fallen, dann führt das über kurz oder lang zu einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale des Systems.